Stellungnahme zu Bisphenol A (BPA) in Koehler Thermopapier

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir verstehen Ihre Besorgnis angesichts der öffentlichen Kampagne, die zurzeit gegen die Chemikalie Bisphenol A geführt wird.
In unseren Thermopapiersorten und natürlich auch in den meisten Thermopapieren weltweit wird die Chemikalie (BPA) eingesetzt. Im Thermopapier wird aber nur ein verschwindend kleiner Prozentsatz der weltweiten Produktion verwendet. Der Haupteinsatz dieser Substanz liegt in anderen Bereichen, u.a. in der Polycarbonat-Produktion.

Nun ist es jedoch nicht so, dass diese Chemikalie "hoch toxisch" ist oder alle Menschen unfruchtbar macht, wie man vielleicht bei der Hysterie der Medien meinen könnte. Bisphenol A wird seit über 50 Jahren intensiv untersucht. Neben Wasser ist es wohl eine der bestuntersuchten Substanzen in der Welt. Bei den unzähligen Studien konnten keine schädlichen Wirkungen nachgewiesen werden. Natürlich immer vorausgesetzt, dass die Menge, die auf den Organismus wirkt, unterhalb der empfohlenen Dosis bleibt. Aber das ist mit allen Substanzen so, denen wir ausgesetzt sind, inklusive Kochsalz. Und die Mengen an Bisphenol A, denen ein Mensch tagtäglich ausgesetzt ist, liegen weit unter dieser Dosis.

Woher kommt dieses große Interesse der Öffentlichkeit und eine gewisse Hysterie in den Medien?
Erst einmal muss gesagt werden, dass es von den Kritikern des Bisphenol A immer nur Vermutungen gibt. Diese Vermutungen gründen sich darauf, dass es durchaus vereinzelte Studien gab, bei denen das Ergebnis nahe liegen lässt, dass Bisphenol A womöglich eine negative Wirkung auf Organismen gehabt hat.

Nur, das Problem bei solchen Studien ist, dass sich jedes gefundene Ergebnis auch in weiteren Studien reproduzieren lassen muss. Uns ist bisher keine Studie bekannt, bei der sich ein einmalig gefundenes negatives Phänomen erneut finden lies. Im Gegensatz dazu gibt es aber sehr viele Studien, die unter reproduzierbaren Bedingungen eine Unbedenklichkeit bescheinigen. Deshalb sagen auch alle offiziellen Stellen sowohl in den USA als auch in Europa, die sich zusätzlich auf eigene Studien bei ihrer Aussage stützen, dass Bisphenol A nach den jetzigen wissenschaftlichen Erkenntnissen unbedenklich ist.

Und die geringen Mengen an Bisphenol A, mit denen wir tagtäglich in Berührung kommen, werden wissenschaftlichen Studien zufolge im menschlichen Körper sehr schnell metabolisiert und ausgeschieden, so dass es hier nicht zu einer Anreicherung im Körper kommt, wie zum Beispiel bei Schwermetallen oder diversen Pflanzenschutzmitteln, denen wir auch ausgesetzt sind. Bisphenol A welches ins Abwasser gelangt, wird in den Abwasseraufbereitungsanlagen und in der Natur schnell und gut abgebaut, was man von vielen Substanzen, die ebenfalls ins Abwasser gelangen, nicht behaupten kann.

Es ist natürlich nicht unsere Aufgabe Bisphenol A zu verteidigen. Aber wenn alle offiziellen Behörden, aufgrund eigener Studien zum wiederholten male zu der Erkenntnis gelangen, dass diese Substanz unkritisch ist, dann gehen wir und alle anderen Anwender davon aus, dass dieses auch der Wahrheit entspricht. Aufgrund von Hören-Sagen und Vermutungen Stimmung zu machen ist einfach, aber wenn man sich an die nachweisbaren Fakten hält, muss man einfach zu der Erkenntnis kommen, dass das Thema doch sehr aufgebauscht ist und nur zur Verunsicherung der Endverbraucher führt, die sich mit diesem Thema verständlicherweise nur unzureichend auskennen.

Abschließend noch folgende Ergänzung:
In unseren Thermopapiersorten ist der BPA Anteil kleiner 2%. Koehler Thermopapiere entsprechen den Bestimmungen des Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetzes, was durch physiologische und toxikologische Untersuchungen bescheinigt wird. Mehrfache dermatologische Untersuchungen an einer Universitätsklinik an jeweils 20 Testpersonen zeigten, dass die praktische Verwendung von Koehler Thermopapieren auch bei häufigem Kontakt nicht zu unerwünschten Reaktionen führt. Alle Untersuchungen, die wir für unsere Thermopapapiersorten durchgeführt haben, führten zu dem Ergebnis, dass unsere Produkte bei sachgemäßem Einsatz absolut ungefährlich sind. Diese Untersuchungen wurden natürlich von anerkannten und unabhängigen Laboratorien durchgeführt. Die Tests erfolgten nach anerkannten OECD-Methoden.

Im Anhang finden Sie noch ein Faktenblatt zu Bisphenol A aus der Schweiz.
Bei weiteren Fragen stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Papierfabrik August Koehler AG
i.A.
Stefan Huber
Technischer Kundenservice Thermopapiere

 

Faktenblatt

Datum: Februar 2009

Bisphenol A

Viele Verpackungen und Gefässe aus Kunststoff werden unter Verwendung von Bisphenol A hergestellt. Bisphenol A kann deshalb in Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen nachgewiesen werden, zum Beispiel auch in Schoppenflaschen aus Polycarbonat. Das BAG hat die wissenschaftlichen Berichte verschiedener Lebensmittelsicherheitsbehörden ausgewertet und ist der Meinung, dass die Einnahme von Bisphenol A durch Lebensmittel kein Risiko für den Konsumenten darstellt. Dies gilt auch für Neugeborene und Säuglinge.

Grundlagen

Was ist Bisphenol A und wo kommt es vor?
Bisphenol A (BPA) ist eine synthetische Substanz und wird für die Herstellung von verschiedenen Kunststoffen verwendet, welche auch für den Kontakt mit Lebensmitteln vorgesehen sind. Es ist ein Bestandteil des Epoxidharzes, welches zur Auskleidung der Innenseite von Konserven- und Getränkedosen verwendet wird. BPA ist auch Bestandteil von Polycarbonat, das unter anderem zur Herstellung eines Typs von Schoppenflaschen verwendet wird.
Es gibt kein Material, welches völlig inert ist. Da bilden auch die Kunststoffe keine Ausnahme und je nach Bedingungen bei der Verwendung werden sie angegriffen bzw. teilweise zersetzt und geben Ausgangsstoffe und Zersetzungsprodukte ab. Durch diesen Mechanismus werden auch kleine Mengen von Bisphenol A freigesetzt und migrieren in die Lebensmittel.

Was sind die Risiken und Auswirkungen auf die Gesundheit?
BPA ist eine hormonaktive Substanz (endocrine disruptor) mit östrogenartiger Wirkung; das heisst, dass es ähnlich wie Estradiol (Östradiol, ein Östrogen), das weibliche Sexualhormon, wirkt und den hormonellen Zustand des menschlichen Körpers beeinflussen kann. BPA hat jedoch eine viel schwächere Wirkung als Estradiol (ca. 10'000 mal schwächer). Bei höheren Dosen zeigt BPA zuerst einen negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit und die fetale Entwicklung.

Risikobeurteilung und tolerierbare tägliche Aufnahmemenge.
BPA wird seit 50 Jahren untersucht und die Risiken welche von einer Exposition ausgehen sind deshalb gut bekannt. Die letzten Risikoevaluationen ergeben eine tolerierbare tägliche Aufnahmemenge von 50 μg/kg Körpergewicht. Dieser Wert wurde aus Erkenntnissen bei Tierversuchen abgeleitet. Er basiert auf der Dosis, bei welcher keine nachteiligen Effekte beobachtet werden konnten (NOAEL) und der Anwendung eines üblichen Sicherheitsfaktors von 100.

Position der EFSA
Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat das Risiko von BPA im Zusammenhang mit Lebensmitteln 2002, 2006 und 2008 jeweils neu beurteilt. Die EFSA stützt sich in ihren Beurteilungen auf konsolidierte wissenschaftliche Grundlagen. In ihrer Abschätzung kommt sie zum Schluss, dass die Exposition über die Nahrung weit unter der tolerierbaren täglichen Aufnahmemenge bleibt und damit ein genügender Sicherheitsabstand für alle Konsumenten, inklusive Säuglinge und Feten gewährleistet ist.

Situation in Canada, welches Schoppenflaschen aus Polycarbonat verbieten möchte
In ihrer Risikobeurteilung kommen die Experten der kanadischen Gesundheitsbehörde auch zur Feststellung, dass die Exposition unterhalb der Schwelle liegt, ab welcher Auswirkungen auf die Gesundheit erwartet werden könnten, auch für Kinder im Alter von unter 18 Monaten. Andererseits existieren Studien, in welchen bei Labortieren schon bei sehr geringen Dosen von BPA Effekte gefunden wurden, die jedoch in andern Studien nicht reproduziert werden konnten. Trotzdem hat die Behörde als Vorsorgemassnahme vorgeschlagen den Verkauf von Schoppenflaschen aus Polycarbonat zu verbieten, um die Exposition von Säuglingen weiter zu verringern.

 

Was macht das BAG?

Haltung des BAG
Betreffend der Toxizität von BPA teilt das BAG die Meinung der Experten der EFSA, dass die abgeleitete tolerierbare tägliche Aufnahmemenge für die Konsumenten ein ausreichendes Schutzniveau gewährleistet. Das BAG berücksichtigt in seiner Einschätzung, dass die Befunde bei "tiefen Dosen" bisher unter normierten Versuchsbedingungen nicht reproduziert werden konnten. Es kommt auch zum Schluss, dass ein Verbot von Schoppenflaschen aus Polycarbonat die Aufnahme von BPA bei Säuglingen nur minim verringern würde und daher auch keine Verbesserung des Gesundheitsschutzes erreicht würde. Konsumenten, welche trotzdem die mögliche Aufnahme von BPA weiter vermindern möchten, empfiehlt das BAG die Verwendung von Schoppenflaschen aus Glas.

Getroffene Massnahmen und durchgeführte Analysen
2004 haben die Laboratorien des BAG ein Monitoring der auf dem Schweizer Markt erhältlichen Schoppenflaschen durchgeführt und die Abgabe von BPA in Abhängigkeit der Benutzung analysiert. Die Resultate zeigen, dass bei normaler Benutzung die Konzentration von BPA in der Grössenordnung von 1 Mikrogramm (millionstel Gramm) pro Liter liegt, das heisst rund 600 Mal unterhalb des gesetzlichen Grenzwertes. Auch bei härteren Anwendungsbedingungen (zum Beispiel überlange Erhitzungszeit, häufig wiederholte Benutzung) bleiben die gemessenen Gehalte unter 10 Mikrogramm pro Liter. Eine ähnliche Studie wurde 2007 am kantonalen Laboratorium in Zürich durchgeführt und gelangte zu denselben Resultaten.

Warum BPA in der Schweiz nicht verbieten?
Ein Verbot von BPA würde unweigerlich dazu führen, dass die Hersteller von Verpackungen und Bedarfsgegenständen (Produkte für den Lebensmittelkontakt) auf andere Stoffe ausweichen müssten, deren Toxizität weniger gut bekannt ist. Das würde bedeuten, dass ein gut charakterisiertes Risiko durch ein deutlich schlechter einschätzbares Risiko ersetzt würde.

Zusätzliche Informationen

Wie erkennt man Schoppenflaschen aus Polycarbonat?
Es gibt keine einfache Möglichkeit um eine Schoppenflasche aus Polycarbonat sicher zu erkennen. Wenn die Flasche weich und/oder wenig transparent ist, handelt es sich wahrscheinlich nicht um Polycarbonat. Der Recyclingcode, welcher oft auf dem Boden der Flasche angebracht ist, kann zur Identifizierung des Kunststoffs beitragen. Eine Ziffer von 1 bis 6 im Triangel zeigt eindeutig an, dass es sich um einen bestimmten Kunststoff, aber nicht um Polycarbonat handelt. Die Ziffer 7 steht für alle übrigen Kunststoffe inklusive Polycarbonat. Wenn neben dem Symbol zusätzlich die Buchstaben PC stehen, so handelt es sich sicher um Polycarbonat.

Verhinderung der Abgabe von BPA bei der Schoppenzubereitung
Wenn die folgenden Punkte beachtet werden, wird aus einer Flasche aus Polycarbonat kein BPA freigesetzt (sicher kleiner 1 Mikrogramm pro Liter):

  • Wasser, das zum Sterilisieren von Schoppenflaschen gebraucht wurde (auskochen im Wasserbad), wegschütten und nicht für die Herstellung eines Getränks verwenden.
  • Aufgekochtes Wasser erst nach etwas Abkühlen in die Schoppenflasche giessen.

Weiter wird empfohlen, die Zubereitungshinweise auf den Verpackungen der Schoppenpulver zu beachten.
Erklärung: Die Abgabe von Bisphenol A aus der Polycarbonatflasche wird primär durch den pH-Wert beeinflusst. Hartes (kalkhaltiges) Wasser wird beim Auskochen alkalisch (pH-Wert von ca. 9 nach 5-10 Minuten auskochen), da Kohlendioxid entweicht und Kalk ausgefällt wird. Alkalisches Wasser kann Polycarbonat angreifen und zur Freisetzung von Bisphenol A führen (im Mikrogrammbereich).
Getränke wie Milch, Früchtetees usw. greifen Polycarbonat nicht an, da sie auf Grund ihrer Zusammensetzung nicht so einfach alkalisch werden können.

Gibt es Alternativen?
Die Schoppenflasche aus Glas bleibt die Alternative der Wahl, aber man findet auch Schoppenflaschen aus anderen Kunststoffen als Polycarbonat (Polypropylen, Polyamid, Polyethersulfon).

Weitere Auskünfte:
Bundesamt für Gesundheit
Sektion Kommunikation
Tel. 031 322 95 05
media@bag.admin.ch

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